Naturheilkunde – natürlich gesund werden
Durch die beeindruckenden wissenschaftlichen Fortschritte des letzten Jahrhunderts wurde eine unkritische Erwartungshaltung gegenüber einer an Tabletten und Spritzen ausgerichteten Medizin geweckt. Diese Euphorie wich zunehmend der Ernüchterung, als sich die Grenzen eines vorwiegend medikamentös und chirurgisch orientierten Therapieansatzes immer deutlicher abzeichneten und zum Teil fatale Nebenwirkungen auftraten. Der Ruf nach Heilweisen, die auf die Selbstheilungskräfte des Körpers setzen, anstatt ihn durch potentiell aggressive Substanzen zu belasten, wurde laut.
Das Ideal einer ganzheitlichen Medizin, die nicht nur die Krankheit, sondern den erkrankten Menschen als “bio-psycho-soziales Wesen” (u.a. Goodman 1991) behandelt – also die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese) fördert, anstatt die Krankheit zu bekämpfen – zählt wohl zu den bedeutsamsten Konzepten des vergangenen Jahrhunderts. Und es erfreut sich auch im neuen Jahrtausend ungebrochener Beliebtheit.
Die moderne Naturheilkunde greift auf natürliche Einflüsse zurück: auf das Klima, die Ernährung, auf Wärme und Kälte und andere physikalische Einflüsse, auf die Wirkstoffe heilkräftiger Pflanzen, Schlämme oder Moore, auf die Selbstregulationsfähigkeit des Körpers, den harmonisierenden und kräftigenden Effekt bestimmter Bewegungsmuster und vieles andere mehr. Dabei haben seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch viele östliche Therapieformen Einzug in die europäischen Naturheilpraxen gefunden, allen voran die Akupunktur.
Die Naturheilkunde will die wissenschaftlich ausgerichtete Schulmedizin nicht verdrängen oder ersetzen, sondern sie ergänzen und unterstützen. Dieser Gedanke kommt im Begriff der “Komplementärmedizin” zum Ausdruck: Im Idealfall greifen die Maßnahmen der Schulmedizin und der Naturheilkunde ineinander, um zur Genesung des erkrankten Menschen beizutragen und ihm zu helfen, sein Gleichgewicht wiederherzustellen.
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